Die Geschichte von Haarlemeröl

Wapen van Tilly - Oprechte Haarlemmerolie uitvinder Der Ende des 17. Jahrhunderts in Haarlem beheimatete Claes Tilly, war ursprünglich ein aus Leiden stammender Schulmeister. Als gelehrter Mann war er der griechischen, sowie der lateinischen Sprache mächĕg und vertraut mit Veröffentlichungen von Größen wie z.B. Paracelsus. Darüber hinaus befasste er sich mit Alchemie. Zugleich hat er ungefähr 1696 nach einigen Versuchen (die anfänglich ab und zu misslangen und in einer Explosion mündeten) entdeckt, wie Naturharz vom Terebinthbaum undbeschränkt haltbar gemacht werden kann, indem es unter Anderem mit Schwefel verbunden wird. (Beide Stoffe sind seit jeher bekannt in der Heilkunde, ob ihrer heilkräftigen und säubernden Eigenschaften.) Man wusste schon im Altertum um die heilkräftige Wirkung von Terebinth‐Öl, durch den Kontakt mit Luft und Licht treten aber weniger angenehme Eigenschaften auf, welche das Miĥel schlimmer machten, als die Krankheit.

Es war daher eine bahnbrechende Entdeckung, gerade in einer Zeit, zu der es gegen viele Krankheiten kein anderes Miĥel gab. Es war eine Operation erster Güte. In dem unterstehenden Auszug aus einer damaligen Broschüre ist vermerkt, dass auch ein Herr Boerhaave gut und gerne mit dem Produkt vertraut war:

O M S T A N D I G B E R I G T
van het worden en ontworden des
S T E E N S en G R A V E E L S
in ons, en veelerhande Qualen;
Als mede eenige Gevallen onder het
gebruyk van het

MEDICAMENTUM GRATIA PROBATUM.

UMSTANDSBERICHT vom Entstehen und Vergehen von STEINEN und Grieß in uns, und vielerlei Qualen; und das mit viel Wohlwollen, durch den Gebrauch des MEDICAMENTUM GRATIA PROBATUM.

Auf der, aus dem späten 17. Jahrhundert stammenden Gebrauchsanweisung (zu finden im Gemeindearchiv Haarlem), ist eine Vielzahl von Krankheiten und Leiden aufgelistet, für die es früher als Medikament verschrieben wurde. Das Produkt wurde (und wird es noch) in kleinen Fläschchen verkauft. Damals wurden die Fläschchen mit einem Stückchen Schweineblase verschlossen. Dorthinein wurde mit einer Nadel ein Löchlein gepiekst, sodass die Flüssigkeit dosiert werden konnte; die Nadel ließ man danach als Verschluss stecken.

Haarlemmerolie flesje met varkensblaas

Haarlemmerolie flesjes historie

 

Links: Fläschchen in Jahrhundertschriĥen, von den Blasen‐Fläschchen, zu den modernen mit Verschlusskappe.

Die letzte Generaĕon treuer Kunden, die noch lebt und inzwischen in ein hohes Lebensalter gekommen sind, weiß durch Familientradition, wann und wofür Haarlemer‐Öl angewandt wird.

Haarlemer‐Öl soll vor Allem bei der Wundheilung besonders heilsam sein, eine desinfizierende Wirkung enthalten und einen heilsamen Einfluss auf Nieren und Harnwege haben. Das Wort ‘ÖL’ ist übrigens eigentlich nicht richtig: es ist kein Öl, sondern eine helle, braune Flüssigkeit mit spezifischem Geruch. Zur Zeit der Entdeckung wurde alles, was weder Wasser, Milch oder Alkohol war, Öl genannt. 

Poster HaarlemmerolieEs ist, trotz der überwältigenden Vielzahl moderner Medikamente und groß angelegter Werbung, noch immer ein gefragtes Hausmittel, das sprichwörtlich in keinem Haushalt fehlen darf. Original Haarlemer‐Öl ist inzwischen seit über 300 Jahren auf dem Markt, während jedoch kaum Werbung dafür gemacht wurde.

Einzig zum Anlass des 300‐jährigen Bestehens im Jahr 1996 wurde ein hübsches Jubiläumsposter im Stil des Art Noveau ausgegeben, das auf Anfrage noch erhältlich ist.

Es ist dem Entdecker des Mittels, sowie auch seinen Nachfolgern stets ein Anliegen gewesen, dass auch gerade die kapitalschwachen Mitbürger sich das Heilmittel leisten können. Damals galt, dass ein Fläschchen schon für ‘ein paar Groschen’ erhältlich sein muss. Inzwischen hat sich der Preis etwas geändert, jedoch die Denkweise nicht, der Produzent zählt sich nicht zu jenen, die sich auf Kosten der Leidenden bereichern.

 

Meine Medizin hilft nicht jenen, die keine Achtung haben vor Medizin, die wenig kostet und allein die teuren Dinge suchen. Meine Medizin hilft nicht jenen, die nichts einnehmen wollen, das nicht angenehm riecht und schmeckt. 

Delfts Blauw Bord - uitgereikt aan C. de Koning Tilly - de 10 oudste familiebedrijven in NederlandDer Betrieb gehört zu den 10 ältesten Familienbetrieben in den Niederlanden und womöglich in Europa. Der gute Ruf wird schon immer ausschließlich durch Mund‐zu‐Mund Propaganda weiter gegeben. Haarlemer‐Öl wird seit jeher mit Begeisterung von Menschen genutzt, die überzeugt waren ‐und sind‐, von der heilenden und säubernden Wirkung, und das trotz des etwas unangenehmen Geschmacks. Und das findet seit mehr als 3 Jahrhunderten staĥ. All das ist weltweit eine Besonderheit! Die Rezeptur ist noch immer ein in der Familie sorgfältig behütetes Geheimnis.

Verbreitung von Haarlemeröl

Der gute Ruf von Haarlemer‐Öl verbreitete sich sprichwörtlich wie ein Lauffeuer:Industrieel wapenschild van Tilly

  • Über Handelsschiffe und Fischerei verbreitete sich die Bekanntheit u.a. im Gebiet der Ostsee und Novaja Semlja, in Smerenburg sind sogar auch einige Fläschchen angekommen.
     
  • Durch Entdeckungsreisen: Dr. Melchior, Gynäkologe und Forschungsreisender stieß in einem Indianer‐Tipi in Südamerika auf Pantoffeln und ein Fläschchen, wie er in seinem Buch “Amazonas, Hölle und Paradies” niederschrieb.
     
  • Via Handel und auch sehr viel durch christliche Mission. Ursprünglich haĥen sie das Medikament zum eigenen Gebrauch dabei, nutzten es dann jedoch auch für die Menschen in diesen Gebieten.
    Industreel Wapenschild Tilly - eik

Ohne zu übertreiben können wir sagen, dass unser gute Ruf ab einem gewissen Moment von Russland, bis zur Südspitze Südamerikas reichte, wodurch auch die Stadt Haarlem weltweit auf der Karte gesetzt war. Der Name Haarlemer‐Öl wurde während der langen und erfolgreichen Gebrauchsperiode auch sprichwörtlich in der niederländischen Sprache, vielfältig benutzt. Im vorigen Jahrhundert, vor der weltweit vernetzten Internet‐Kommunikaĕon, war es Gang und Gäbe, dass Briefe aus dem Ausland ankamen, obwohl keine nähere Adressangabe bekannt war, als Haarlemer‐Öl von C. de Koning Tilly, und das einmal tatsächlich an folgende Adresse (die natürlich von der Post richtig gedeutet wurde):

Vooral vochtvrij bewaren,
40 capsules,
Haarlem,
Holland.

Der Erfolg von Haarlemeröl

Der gute Ruf von Haarlemer‐Öl ließ sich auf 3 Weltausstellungen mit Goldprämien aufwiegen: London (1907), Paris (1907) und Rome (1910).

Oprechte Haarlemmerolie - Londen diploma wereldtentoonstellingOprechte Haarlemmerolie - Parijs diploma wereldtentoonstelling

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oprechte Haarlemmerolie - medaille London 1907Oprechte Haarlemmerolie - medaille Parijs

Unvermeidlich tauchten sehr bald Nachahmer auf, die von diesem Erfolg mit profitieren wollten. Es wurde irgendetwas zusammen gepanscht und dann unverfroren der Name ‘Tilly’ hinter den eigenen gesetzt und dann noch ‘Haarlem’ hinzu gefügt.

E.L.W. van Dobben, der Großvater des heuĕgen Nachfahren, ließ darauΘin ein irreführendes rezept veröffentlichen, wonach eine wichtige Zutat Leinöl sei. In der Original‐Rezeptur von Haarlemer‐Öl ist aber sicherlich kein Leinöl. Darüber hinaus ist Haarlemer‐Öl, wie bereits erwähnt, kein Öl, eher eine Balsam und bestimmt kein ‘Wunderöl’.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein fand diese Art der Nachahmerei staĥ, die schließlich mit unzähligen Gerichtsverfahren beendet werden konnte. Dies sind ein paar der Namen, die sich Nachahmer gaben und zum Teil sehr dreist damit wurden:

  • Claes Tilly, Laboratorium Thomas Tilly (bis heute, anderswo)
  • Wed. Claes Tilly
  • G. de Koning Tilly
  • Marseille Tilly
  • Erdsieck Tilly
  • Jan Boogaard Tilly
  • Fa. Gebrüder Waaning Tilly (bis zur Hälfte des 20. Jhd.)
  • Klaasolem
  • Samuel Frank (kopierte sowohl Fläschchen, als auch Öl nach, übrigens auch Kölnisch Wasser)
  • N.V. Original Haarlemer‐Öl Fabrik (von oben genanntem Samuel Frank; dieser wohnte sogar in derselben Straße, gegenüber dem Originalbetrieb und bestach den Postboten, um diesem Aufträge striħg zu machen)

DIE EINZIG ECHTEN FLASCHEN HABEN DEN AUFDRUCK C. DE KONING TILLY

> Der Entdecker Claes Tilly